Seit einigen Jahren gehört das „Haus der Foto- und Filmgeschichte“ im Freilichtmuseum Hessenpark bei Neu-Anspach zu den Anlaufstellen von Fotofreunden aus ganz Deutschland. Außer der – übrigens sehr sehenswerten – Dauerausstellung, bekommen auch immer wieder interessante Sonderthemen ihren Platz. Vom 05. März 5. März bis 3. Dezember 2017 werden Bilder von Barbara Klemm im Haus aus Gemünden, direkt am Marktplatz, ausgestellt.

Barbara Klemm zählt zu den renommiertesten Vertreterinnen des Fotojournalismus. Ihre Bilder haben Eingang in zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland gefunden. Für ihr Werk wurde die in Frankfurt lebende Fotografin vielfach ausgezeichnet, so beispielsweise mit dem Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie (1989), dem Hessischen Kulturpreis (2000) und dem Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main (2010). Als fest angestellte Redaktionsfotografin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung begleitete Barbara Klemm von 1970 bis 2005 zahlreiche Persönlichkeiten und Ereignisse der deutschen und internationalen Politik. Der „sozialistische Bruderkuss“ zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker, der jugendliche Joschka Fischer, der in weißen Turnschuhen seinen Amtseid ablegt, Schlüsselszenen aus der Studentenbewegung der 1968er-Jahre in Frankfurt am Main oder auch ihre Bilddokumente zur Öffnung der Berliner Mauer sind tief im kollektiven Gedächtnis verankert.

Barbara Klemms stets schwarz-weiß gehaltene Aufnahmen fangen aber immer wieder auch alltagskulturelle Szenen ein. Dabei gelingt es ihr auf unnachahmliche Weise, nicht nur die Individualität der abgebildeten Menschen, sondern auch den zeitgeschichtlichen Kontext wiederzugeben. Diese Fähigkeit, Ereignisse in einem Motiv zu verdichten, machen ihre Bilder zu zeitgeschichtlichen Dokumenten von hohem Aussagewert.

Im Rahmen der Sonderausstellung „Alltag, Aufbruch und Anstoß“ zeigt das Freilichtmuseum erstmals eine Auswahl ihrer in Hessen entstandenen Bilder. Bei den mehr als 50 präsentierten originalen Abzügen auf Barytpapier handelt es sich nicht um Auftragsarbeiten, sondern um zufällig entstandene Motive. Diese halten Szenen aus dem Alltag, dem Berufs- und dem Freizeitleben von 1967 bis 2016 fest. Klemms Bilder kommen ohne umfangreiche Erläuterungen aus. Ausdruckstark spiegeln sie die Lebensumstände der jeweiligen Zeit wider und verweisen auf gesellschaftliche Entwicklungen der letzten 50 Jahre in Frankfurt und Hessen. Seien es die nahezu futuristisch gekleideten Messehostessen bei der Automobilmesse 1967 in Frankfurt, der Vater mit seinen Kindern beim sonntäglichen Autowaschen in Offenbach im Jahr 1972 oder das Lager zweier Obdachloser vor der Werbung eines Juwelierladens in der Kaiserstraße in Frankfurt 1994 – jede Abbildung für sich erzählt eine eigene Geschichte.

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Begleitband im Cocon-Verlag in Hanau erschienen, welcher im Museumsladen des Freilichtmuseums oder im Buchhandel für 19,80 Euro erworben werden kann.

Sonderausstellung „Alltag, Aufbruch und Anstoß.
Barbara Klemm: Fotografien aus Hessen“

5. März bis 3. Dezember 2017
Haus aus Gemünden (Wohra), Baugruppe Marktplatz
(Geöffnet samstags, sonn- und feiertags, in der Hauptsaison auch mittwochs)

Robert Hill