Afghanistan. Wären die Flüchtlinge vom Hindukusch nicht mittlerweile in unserm Straßenbild präsent, der Krieg dort wäre hierzulande längst vergessen. Und jetzt bekommen wir diesen Prachtband von Steve McCurry auf den Tisch. Die sparsamen, doch kenntnisreichen Texte stammen von William Dalrymple. Wir sehen nicht nur karge Landschaften, sondern vor allem Gesichter. Portraits aus unmittelbarer Nähe. Aus mittlerweile drei Jahrzehnten in denen ein Land nie zur Ruhe gefunden hat. Selten hat mich ein Bildband so gefesselt, beeindruckt.

Die Afghanistanretrospektive des Magnum-Fotografen Steve McCurry

Steve McCurry ist einer der bekanntesten Fotografen unserer Zeit. Seinen internationalen Durchbruch schaffte er mit den Aufnahmen, die ihm 1979 im Rahmen des Afghanistankonfliktes gelangen. Seit damals hat er das Land am Hindukusch immer wieder besucht. Dies sind seine Aufnahmen aus vier Jahrzehnten Afghanistan.

Für Menschen mit bellizistischen Neigungen dürfte Afghanistan dem Paradies ziemlich nahekommen, für alle anderen zeigt es sich, seit es im „Großen Spiel“ zwischen Russland und England zum Gegenstand geostrategischer Interessen wurde, als trostloses und steiniges Killing Field und Chaos aus endlosen Aufständen, ethnischen Konflikten, Kolonial- und Bürgerkriegen und religiösem Terror. Der amerikanische Fotograf Steve McCurry reiste erstmals 1979, als die Sowjetunion militärisch in die innerafghanischen Konflikte eingriff, in das Land, um – verkleidet in landestypischer Tracht – vom Kampf der Mudschahedin gegen Besatzer und regierungstreue Truppen zu berichten.

Für seine Aufnahmen aus diesem Konflikt, die ihn weltweit bekannt machten, wurde er 1980 mit der Robert Capa Gold Medal ausgezeichnet. Seit damals reiste der vielfach prämierte Fotograf, der sich selbst nicht als Fotojournalist, sondern als „visueller Storyteller“ versteht, immer wieder in das Land am Hindukusch, um von seinen Menschen und ihrem Alltag zu berichten, und wurde zum intimen Kenner von Land und Region.

Sein berühmtes Porträt eines afghanischen Mädchens, 1984 allerdings in einem Flüchtlingslager in Pakistan fotografiert, erlangte als Projektionsfläche westlicher Fantasien eine ungeheure Popularität und wurde zu McCurrys Signature Shot. Wie viele von McCurrys Arbeiten besitzt es eine zeitlose, malerische Qualität.

Dieser Band zeigt Aufnahmen aus vier Jahrzehnten Afghanistan, Porträts und Landschaften, überwältigende, atmosphärisch dichte Bilder aus einem Land, das sich ungeachtet von Krieg und Zerstörung eine verblüffende Schönheit bewahrt hat.

Der Fotograf:
Steve McCurry wurde in Philadelphia geboren und ist seit über 40 Jahren einer der bildmächtigsten Vertreter der zeitgenössischen Fotografie. Seine Fotos erschienen auf den Titelseiten vieler Zeitschriften und Publikationen, in über einem Dutzend Büchern und in zahllosen Ausstellungen weltweit. Nach zahlreichen Reisen durch Indien, den Nahen Osten und Afghanistan gründete er 2004 ImagineAsia mit dem Ziel, Kindern und jungen Erwachsenen in Afghanistan Bildungsmöglichkeiten zu geben.

Texte:
William Dalrymple wurde in Schottland geboren. Er ist Historiker, Kritiker, Kurator und Schriftsteller.

Steve McCurry. Afghanistan
Steve McCurry, William Dalrymple; Hardcover, 26,7 x 37 cm, 256 Seiten, ISBN 978-3-8365-6936-1 (Deutsch, Englisch, Französisch)

Webseite zum Buch: „Steve McCurry. Afghanistan“
https://www.taschen.com/pages/de/catalogue/photography/all/05326/facts.steve_mccurry_afghanistan.htm

“ Steve McCurry. Afghanistan“ erscheint beim Taschen Verlag GmbH.
Das Rezensionsexemplar wurde vom Taschen Verlag GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Robert Hill